Was die girocard ist
Die girocard ist das gemeinsame Debitverfahren der deutschen Kreditwirtschaft. Sie hängt am Girokonto Ihres Kunden, der Betrag wird dem Konto unmittelbar belastet, und die Freigabe erfolgt durch die kartenausgebende Bank in dem Moment, in dem die Karte am Terminal liegt. Anders als bei einer Kreditkarte gibt es keine Sammelabrechnung und keinen eingeräumten Kreditrahmen — deshalb ist sie in der Systematik der EU-Verordnung eine Debitkarte.
In Deutschland sind rund hundert Millionen girocards im Umlauf, und die Zahl der Terminals ist zuletzt deutlich gewachsen. Für 2025 weist das girocard-System rund 8,3 Milliarden Transaktionen mit einem Umsatz von rund 308 Milliarden Euro aus. Der durchschnittliche Bon lag bei gut 37 Euro und damit etwas niedriger als im Vorjahr — ein Hinweis darauf, dass die Karte immer öfter auch für kleine Beträge gezückt wird, für die früher selbstverständlich Bargeld genutzt wurde.
Für Ihren Betrieb bedeutet das eine schlichte Konsequenz: Wer in Deutschland Karten annimmt und die girocard auslässt, lässt den größten Teil des Kartengeschäfts liegen. Alle anderen Verfahren sind Ergänzung, nicht Ersatz.
Der Ablauf am Terminal, Schritt für Schritt
Zwischen dem Auflegen der Karte und dem Satz „Zahlung erfolgt" liegen mehrere Stationen. Sie zu kennen hilft vor allem dann, wenn etwas hakt.
- 01Karte lesen
- Das Terminal liest den Chip — kontaktbehaftet beim Stecken, kontaktlos über NFC. Der Magnetstreifen spielt im girocard-System praktisch keine Rolle mehr und ist für den Alltag ohne Bedeutung.
- 02Verfahren auswählen
- Trägt die Karte mehrere Verfahren nebeneinander, entscheidet sich hier, welches genutzt wird. Bei einer Karte mit girocard und einem internationalen Debitprodukt ist das der Punkt, an dem sich Routing und Kosten trennen.
- 03Karteninhaber prüfen
- Je nach Betrag und Zählerstand in der Karte verlangt das Terminal die PIN oder gibt die Zahlung ohne Prüfung frei. Die Grenzen dafür sind europäisch geregelt und liegen nicht in Ihrer Hand.
- 04Autorisieren
- Die Anfrage geht über den Netzbetrieb an die Autorisierungsstelle und von dort an die Bank Ihres Kunden. Die Antwort kommt denselben Weg zurück, in aller Regel in weniger als einer Sekunde.
- 05Beleg erzeugen
- Terminal-Kennung, Trace-Nummer und Genehmigungsnummer landen auf dem Zahlungsbeleg. Dieser Beleg ist nicht der Kassenbeleg im Sinne des Kassenrechts — das sind zwei verschiedene Dokumente mit zwei verschiedenen Rechtsgrundlagen.
- 06Einreichen und gutschreiben
- Mit dem Tagesabschluss werden die Umsätze gebündelt eingereicht. Erst dieser zweite, unsichtbare Teil entscheidet darüber, wann das Geld auf Ihrem Konto ist.
Zahlungsgarantie — was sie leistet und was nicht
Der entscheidende Vorteil der girocard gegenüber der Lastschrift liegt in der Autorisierung. Weil vor der Freigabe tatsächlich bei der kartenausgebenden Bank angefragt wird, erhalten Sie eine Zusage: Ein autorisierter Umsatz wird Ihnen gutgeschrieben, auch wenn das Konto Ihres Kunden später nicht gedeckt ist. Das ist der Grund, warum das Verfahren für den Handel überhaupt attraktiv ist.
Diese Garantie hat allerdings Voraussetzungen, und die werden im Alltag gelegentlich unterlaufen. Sie gilt für den autorisierten Betrag, nicht für nachträgliche Änderungen. Sie gilt für den ordnungsgemäß durchgeführten Vorgang mit Karteninhaberprüfung, nicht für Ersatzverfahren, die das Personal wählt, weil das Terminal gerade keine Verbindung hat. Und sie ersetzt keinen Tagesabschluss: Umsätze, die nie eingereicht wurden, werden auch nicht gutgeschrieben.
Praktisch heißt das: Wenn ein Mitarbeiter bei einem Netzausfall auf ein Verfahren ohne Autorisierung ausweicht, verlässt er die Garantie — meist ohne es zu wissen. Wie das Gerät in solchen Momenten reagieren soll, ist eine Einstellungsfrage, die vor dem ersten Störfall geklärt sein sollte und nicht danach.
girocard, ELV und OLV im Vergleich
Alle drei Verfahren nutzen dieselbe Karte und sehen für den Kunden ähnlich aus. Für Sie unterscheiden sie sich in genau dem Punkt, der zählt: wer das Ausfallrisiko trägt.
| Merkmal | girocard mit PIN | ELV mit Unterschrift | OLV mit Prüfung |
|---|---|---|---|
| Anfrage bei der Bank | Ja, vor der Freigabe | Nein | Nein, nur Abgleich gegen Sperrlisten |
| Karteninhaber bestätigt mit | PIN oder kontaktlos ohne PIN | Unterschrift auf dem Beleg | Unterschrift auf dem Beleg |
| Zahlungsgarantie | Ja, bei ordnungsgemäßem Ablauf | Nein | Nein, aber geringere Ausfallquote |
| Wer trägt den Ausfall | Die kartenausgebende Bank | Sie als Händler | Sie als Händler |
| Geld ist unterwegs | Nach Einreichung des Tagesabschlusses | Erst nach dem Lastschrifteinzug | Erst nach dem Lastschrifteinzug |
| Aufwand bei Problemen | Gering, der Fall ist abgeschlossen | Hoch, Rücklastschrift und Beitreibung | Mittel, seltener aber gleicher Ablauf |
| Typischer Einsatz | Der Regelfall im Handel | Rückläufig, teils bei hohen Bons | Alternative zum reinen ELV |
Warum das Entgelt bei der girocard verhandelbar ist
Bis 2014 zahlte der Handel für PIN-Zahlungen ein zentral festgelegtes Entgelt: 0,3 Prozent des Umsatzes, mindestens acht Cent je Vorgang, mit einem ermäßigten Satz für Tankstellen. Das Bundeskartellamt hat diese einheitliche Festsetzung im April 2014 beanstandet, die Kreditwirtschaft hat sie daraufhin aufgegeben. Seither gibt es im girocard-System kein zentral vorgegebenes Händlerentgelt mehr.
Das ist mehr als eine historische Fußnote, denn es beschreibt die heutige Marktlage. Die Sätze entstehen aus Verhandlung — und verhandelt wird nicht zwischen einem einzelnen Bäcker und einer Großbank, sondern gebündelt. Das Bundeskartellamt hat in seiner Mitteilung ausdrücklich darauf hingewiesen, dass große Handelsketten solche Rabatte schon zuvor ausgehandelt hatten und dass der Systemwechsel nun auch kleineren Händlern über ihre Netzbetreiber diese Möglichkeit eröffnet.
Genau darin liegt die Berechtigung dieses Geschäftsmodells, und wir schreiben es lieber offen hin, als es zu verschweigen: Ein einzelner Betrieb hat am Verhandlungstisch kein Gewicht, ein Bündel von Betrieben schon. Was dabei für Sie herauskommt, gehört ins Gespräch und nicht auf eine Website — aber die Mechanik dahinter sollten Sie kennen, bevor Sie irgendein Angebot bewerten.
Die Scheme-Manager-Fee auf Ihrer Abrechnung
Seit dem 1. Januar 2026 taucht auf girocard-Abrechnungen in Deutschland eine zusätzliche Position auf, die viele Händler zum ersten Mal sehen und niemandem zuordnen können: die Scheme-Manager-Fee. Sie wird von der zentralen Dienstleisterin im girocard-System erhoben, betrifft alle Händler unabhängig von Größe und Vertragsdatum und wird automatisch berechnet.
Die Größenordnung ist gering. Nach den vorliegenden Angaben liegt der Betrag bei einem girocard-Umsatz von 10.000 Euro im Monat im Bereich von rund zwanzig Cent. Interessant ist weniger die Höhe als die Systematik: Die europäische Verordnung sieht Entgelte des Kartenzahlverfahrens ausdrücklich als eigenen, offenzulegenden Baustein vor. Dass die Position separat ausgewiesen wird, ist also kein Zusatzposten aus dem Nichts, sondern genau die Transparenz, die das Recht verlangt.
Wenn Sie eine unerklärte Zeile auf Ihrer Monatsabrechnung finden, ist das die wahrscheinlichste Kandidatin. Wir gehen die Abrechnung im Zweifel Position für Position mit Ihnen durch — das ist Teil der Arbeit und keine Sonderleistung.
Die digitale girocard im Smartphone
Es gibt inzwischen zwei verschiedene Wege, wie die girocard auf das Telefon kommt, und sie werden regelmäßig verwechselt. Der erste führt über Apple Pay: Kunden der Sparkassen können ihre Karte dort hinterlegen und damit überall bezahlen, wo das entsprechende Akzeptanzzeichen und das Kontaktlos-Symbol zu finden sind. Die Sparkasse weist dabei selbst darauf hin, dass bei der digitalen Karte unter Umständen ausschließlich das girocard-Verfahren unterstützt wird.
Der zweite Weg führt an Apple Pay vorbei. Seit Dezember 2025 ermöglichen genossenschaftliche Institute die kontaktlose girocard-Zahlung direkt aus ihrer Banking-App am iPhone. Möglich wurde das durch den Digital Markets Act der Europäischen Union, der Drittanbietern Zugang zur NFC-Schnittstelle verschafft hat. Gestartet ist der Betrieb mit einer Handvoll Institute, weitere folgten Anfang 2026.
Für Sie an der Kasse ist der Unterschied irrelevant — in beiden Fällen kommt eine kontaktlose girocard-Transaktion an. Relevant ist nur eine Frage: Kann Ihr Terminal girocard kontaktlos? Kann es das nicht, scheitert die Zahlung, und zwar bei einem Kunden, der überzeugt ist, alles richtig gemacht zu haben. Ein Gerät, das nur Kreditkarten kontaktlos annimmt, verliert diesen Umsatz vollständig.
Die girocard in Zahlen
Kennzahlen des girocard-Systems für das Jahr 2025, veröffentlicht im Februar 2026. Sie geben eine Vorstellung davon, welchen Anteil das Verfahren am Alltagsgeschäft hat.
| Kennzahl | Wert 2025 | Was daraus folgt |
|---|---|---|
| Transaktionen | rund 8,3 Milliarden | Gegenüber dem Vorjahr weiter deutlich gewachsen |
| Umsatz | rund 308 Milliarden Euro | Der Umsatz wächst langsamer als die Zahl der Vorgänge |
| Durchschnittlicher Bon | gut 37 Euro | Die Karte wird zunehmend auch für Kleinbeträge genutzt |
| Aktive Terminals | bis zu 1,34 Millionen | Die Akzeptanzbasis wächst zweistellig |
| Kontaktlos-Anteil | rund 88 Prozent im Dezember | Kontaktlos ist der Normalfall, nicht die Ausnahme |
| Karten im Umlauf | rund 100 Millionen | Praktisch jedes Girokonto bringt eine Karte mit |
Angaben nach der Jahresstatistik des girocard-Systems, veröffentlicht im Februar 2026. Zahlen dieser Art veralten; Stand dieser Zusammenstellung: August 2026.
Häufige Fragen zur girocard
Ist die girocard dasselbe wie die EC-Karte?
„EC-Karte" ist ein Begriff aus dem alten electronic-cash-System, der sich im Sprachgebrauch gehalten hat. Gemeint ist heute in aller Regel die girocard. Innerhalb Ihres Betriebs ist das unproblematisch; in Verträgen und Abrechnungen sollten Sie sich an die aktuelle Bezeichnung halten, weil dort auch die internationalen Debitprodukte auftauchen und die Unterscheidung dann zählt.
Wann ist das Geld auf meinem Konto?
Nicht die Autorisierung entscheidet das, sondern die Einreichung. Erst mit dem Tagesabschluss werden die Umsätze gebündelt weitergegeben; danach richtet sich die Gutschrift nach dem vereinbarten Abrechnungsweg. Wer den Tagesabschluss vergisst, wartet auf Geld, das noch niemand angefordert hat — das ist eine der häufigsten Ursachen für vermeintlich verschwundene Umsätze.
Kann ich eine girocard-Zahlung stornieren?
Ja, solange der Vorgang noch nicht eingereicht ist, lässt er sich am Terminal stornieren. Danach ist eine Gutschrift der richtige Weg. Beides sollte im Team geübt sein, bevor es das erste Mal gebraucht wird — Storno und Gutschrift sind verschiedene Vorgänge mit verschiedenen Belegen, und sie im Stressmoment zu verwechseln kostet später Zeit beim Abgleich.
Warum verlangt das Terminal manchmal eine PIN und manchmal nicht?
Weil die europäischen Sicherheitsvorgaben eine Prüfung des Karteninhabers erzwingen, sobald ein Einzelbetrag oder eine kumulierte Schwelle überschritten wird. Der Zähler dafür sitzt in der Karte, nicht in Ihrem Gerät. Derselbe Kunde kann deshalb am selben Terminal einmal ohne und beim nächsten Mal mit PIN zahlen. Das ist kein Fehler, sondern die Regel.
Warum funktioniert die girocard aus dem Handy bei mir nicht?
Fast immer, weil das Terminal girocard nur kontaktbehaftet beherrscht. Die digitale girocard kann ausschließlich kontaktlos genutzt werden. Ältere Gerätegenerationen sind hier die typische Ursache; die Kartenzahlung mit der physischen Karte funktioniert dann weiter, die Zahlung per Telefon nicht. Das lässt sich mit einem einzigen Test klären.
Was kostet mich eine girocard-Zahlung?
Das hängt an drei Bausteinen: dem Entgelt an die kartenausgebende Bank, dem Entgelt des Kartensystems und der Marge des Anbieters. Weil das erste seit 2014 nicht mehr zentral festgelegt ist, gibt es keinen Marktstandard, den man hier hinschreiben könnte. Was für Ihren Betrieb möglich ist, hängt an Umsatz, Kartenmix und durchschnittlichem Bon — das besprechen wir konkret und nicht in Sternchen-Sätzen.