Was SmartPOS bedeutet
SmartPOS bezeichnet Bezahlterminals, die auf einer abgesicherten Android-Variante laufen. Statt eines kleinen Displays mit fester Menüführung haben sie einen großen Touchscreen, eine Kamera, oft einen Barcodescanner und die Möglichkeit, weitere Anwendungen zu installieren. Bedient werden sie wie ein Smartphone, was die Einarbeitung von Personal erheblich verkürzt.
Technisch handelt es sich trotzdem um zertifizierte Bezahlterminals. Die sicherheitsrelevanten Teile, also PIN-Eingabe und Kartendaten, laufen in einem geschützten Bereich, der von den installierbaren Anwendungen getrennt ist. Deshalb sind diese Geräte nach PCI PTS zertifiziert, meist nach 6.x, einzelne neuere Modelle bereits nach 7.x. Ein SmartPOS ist also kein gewöhnliches Android-Gerät mit Bezahl-App, auch wenn es so aussieht.
Der Generationswechsel im Markt läuft eindeutig in diese Richtung. Die klassischen Terminalplattformen werden nach und nach durch Android-Geräte abgelöst; mehrere große Hersteller haben ihre älteren Baureihen bereits abgekündigt. Wenn Sie heute neu beschaffen und mit dem Gerät mehrere Jahre arbeiten wollen, ist ein Android-Gerät in der Regel die tragfähigere Wahl.
Verbreitete SmartPOS-Geräte
Dieselben Geräte tauchen im Markt unter verschiedenen Anbieternamen auf. Die Übersicht nennt die Hersteller-Basis.
| Gerät | Display und System | Konnektivität | Bondrucker | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|
| Ingenico Axium DX8000 | Bis 6 Zoll, Android | 4G, WLAN, Bluetooth | Modellabhängig | Front- und Rückkamera, Variante für explosionsgefährdete Bereiche, PCI PTS 6.x |
| PAX A920Pro | 5,5 oder 6,56 Zoll, Android | 4G, WLAN, Bluetooth, eSIM | Ja, schneller Thermodrucker | Zwei Kameras mit Autofokus und Blitz, Scannertaste an der Seite, optionale Ladestation |
| PAX A77 | 5,5 Zoll, Android | 4G, WLAN, Bluetooth | Nein, Beleg digital oder über externen Drucker | Sehr flach und leicht, nach PCI PTS 7 mit gesicherter Kartendatenübertragung zertifiziert |
| PAX A35 | 4 Zoll, Android | LAN, WLAN, Bluetooth, Strom über Netzwerkkabel möglich | Modellabhängig | Für den Kassenplatz gedacht, mit oder ohne Halterung, Kassen-App direkt auf dem Gerät möglich |
| SUNMI P3 | 6,75 Zoll, Android | 4G, WLAN, Bluetooth, Satellitenortung | Ja, 70 mm pro Sekunde | Wechselbarer Akku, optionaler Scanner, PCI PTS 6.x |
| Castles Saturn 1000F2 | 5,5 Zoll, Android | 4G, WLAN, Bluetooth | Ja | Wechselbarer Akku mit hoher Kapazität, robuster Scanner für Flächeneinsatz |
Ob eine Funktion im Menü Ihres Geräts erscheint, hängt zusätzlich von der Konfiguration im laufenden Betrieb ab. Klären Sie deshalb Funktionen, nicht nur Modellnamen.
Was Android auf dem Terminal praktisch bringt
Nicht jede dieser Möglichkeiten ist für jeden Betrieb relevant. Die Liste hilft, den eigenen Bedarf zu sortieren.
- 01Kamera und Scanner
- Barcodes und QR-Codes lassen sich direkt am Gerät erfassen. Im Handel heißt das Artikelerfassung ohne separaten Scanner, in der Gastronomie das Einlösen von Gutscheinen, bei Veranstaltungen die Ticketkontrolle. Wer nichts scannt, braucht diese Funktion nicht und sollte dafür auch nicht bezahlen.
- 02Digitale Belege
- Statt eines gedruckten Bons kann der Beleg als QR-Code auf dem Display erscheinen oder per E-Mail zugestellt werden. Das spart Papier und ist für Lieferdienste praktisch. Wo Kunden regelmäßig einen gedruckten Beleg erwarten, ersetzt es den Drucker aber nicht.
- 03Trinkgeldabfrage am Gerät
- Auf dem großen Display lässt sich das Trinkgeld sauber abfragen: mit Vorschlägen, mit freier Betragseingabe und immer mit einer klar erkennbaren Option, kein Trinkgeld zu geben. Der Betrag wird zusammen mit der Rechnung in einem Vorgang gebucht und auf dem Beleg getrennt ausgewiesen.
- 04Kassenfunktion auf dem Gerät
- Bei einigen Geräten läuft eine Kassenanwendung direkt auf dem Terminal. Für kleine Betriebe kann das ein zweites Gerät ersparen. Für größere Betriebe ist die Anbindung an ein vollwertiges Kassensystem der stabilere Weg, weil Warenwirtschaft, Auswertungen und Fiskalisierung dort besser aufgehoben sind.
- 05Nachträgliche Freischaltungen
- Weil Funktionen als Anwendungen ausgeliefert werden, lassen sich Bausteine wie Trinkgeld, Reservierung eines Betrags auf einer Kreditkarte, Währungsumrechnung oder Gutscheinverkauf im Nachhinein aktivieren, ohne das Gerät zu tauschen. Das macht die Bauform langlebiger als klassische Terminals.
- 06Fernwartung und Updates
- Software und Konfiguration kommen über das Netz auf das Gerät. Für Sie bedeutet das, dass eine Anpassung nicht zwangsläufig einen Technikertermin auslöst. Es bedeutet auch, dass das Gerät regelmäßig Verbindung braucht, damit es aktuell bleibt.
Der wichtigste Prüfpunkt: Drucker ja oder nein
Bei SmartPOS-Geräten ist der Bondrucker keine Selbstverständlichkeit. Kompakte Modelle wie der PAX A77 und die darauf basierenden Anbietervarianten haben bewusst keinen Drucker; der Beleg wird per QR-Code, per E-Mail oder über einen separaten Bluetooth-Drucker zugestellt. Andere Geräte derselben Familie, etwa der A920Pro oder der A960, drucken sehr wohl.
Diese Unterscheidung ist die häufigste Fehlkonfiguration im Markt. Ein Lieferdienst, der ohnehin digital quittiert, ist mit dem druckerlosen Gerät leichter und günstiger unterwegs. Eine Werkstatt, die den Zahlbeleg an die Rechnung heftet, steht mit demselben Gerät jeden Tag vor einem Problem. Klären Sie diesen Punkt, bevor Sie bestellen, nicht danach.
Wenn Sie unsicher sind, gehen Sie die letzten zwanzig Zahlungen im Kopf durch: Wie oft hat jemand einen gedruckten Beleg verlangt oder gebraucht? Liegt die Antwort über null, planen Sie den Drucker ein, entweder im Gerät oder als separates Zubehör.
Wo SmartPOS mehr Aufwand macht als ein klassisches Terminal
Ein großes Display kostet Akku. Geräte mit sechs Zoll und aktiver Mobilfunkverbindung halten spürbar kürzer durch als kleine Terminals mit Tastatur, besonders wenn zusätzlich gedruckt und gescannt wird. In Betrieben mit langem Servicetag brauchen Sie deshalb entweder eine Ladestation an einem festen Platz oder ein Gerät mit wechselbarem Akku.
Der zweite Punkt ist die Bedienung. Touchbedienung ist intuitiv, aber sie ist auch fehleranfälliger als eine physische Tastatur, wenn Hände nass, fettig oder kalt sind oder wenn Handschuhe getragen werden. In der Küche, an der Fischtheke und im Winter am Marktstand ist das ein reales Argument für ein Gerät mit Tasten.
Der dritte Punkt ist die Versuchung, zu viel auf das Gerät zu packen. Jede zusätzliche Anwendung ist eine weitere Sache, die Personal lernen, aktuell halten und im Zweifel erklären muss. Nehmen Sie das, was Sie tatsächlich nutzen, und lassen Sie den Rest weg. Nachrüsten können Sie später, ohne das Gerät zu wechseln.
Häufige Fragen zu SmartPOS
Ist ein SmartPOS sicherer oder unsicherer als ein klassisches Terminal?
Beide werden nach demselben Standard zertifiziert. Bei SmartPOS-Geräten sind PIN-Eingabe und Kartendaten in einem geschützten Bereich vom offenen Teil des Systems getrennt. Achten Sie beim Neukauf auf PCI PTS 6.x oder höher; ältere Zertifizierungsstände laufen mit der Zeit aus.
Kann ich beliebige Apps installieren?
Nein. Anwendungen werden über den Store des jeweiligen Betriebs bereitgestellt und freigegeben; ein öffentlicher App-Store ist auf diesen Geräten nicht vorgesehen. Das ist eine Sicherheitseigenschaft, keine Einschränkung aus Bequemlichkeit.
Ersetzt ein SmartPOS mein Kassensystem?
Für sehr kleine Betriebe kann eine Kassenanwendung auf dem Terminal ausreichen. Sobald Warenwirtschaft, mehrere Arbeitsplätze, Auswertungen oder die gesetzlich geforderte Aufzeichnung der Kassenvorgänge dazukommen, ist ein eigenes Kassensystem der stabilere Weg. Das Terminal wird dann angebunden, statt die Kasse zu ersetzen.
Wie lange bekommt ein Android-Terminal Updates?
Das hängt an Gerät und Betrieb. Sicherheitsrelevante Aktualisierungen sind Teil des laufenden Betriebs und kommen über das Netz. Wichtig ist, dass das Gerät regelmäßig verbunden ist; ein Terminal, das wochenlang im Schrank liegt, holt sich beim nächsten Einschalten erst einmal Aktualisierungen.
Brauche ich für ein SmartPOS besseres Netz?
Für den reinen Zahlvorgang nicht. Für Updates, digitale Belege und zusätzliche Anwendungen ist eine ordentliche Verbindung aber angenehmer. Ein Gerät mit 4G und WLAN parallel ist die robusteste Kombination.
Ist ein SmartPOS für den Außeneinsatz geeignet?
Für Terrasse, Hof und Markt ja, sofern das Display hell genug ist. Für dauerhaft ungeschützten Außeneinsatz, für Frost oder für explosionsgefährdete Bereiche brauchen Sie ein Gerät mit entsprechender Schutzklasse oder eine speziell zertifizierte Variante. Solche Varianten gibt es, sie müssen aber ausdrücklich bestellt werden.